David D. Rubinger, Jerusalem

Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen & Treffs bei der Diakonie

Kontakt & Informationen:

Telefonzentrale Diakonisches Werk
Hagdorn 1a
45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: (0208) 3003-277



Leben ohne Dich

Ein Selbsthilfeverein für verwaiste Eltern und Geschwister

Die Selbsthilfegruppe „Leben ohne Dich“ trifft sich an jedem vierten Donnerstag eines Monats um 20 Uhr in der Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes, dem Diakonie am Eck, in der Mülheimer Altstadt, Kettwiger Straße 3. Die Mülheimer Gruppe gehört zum bundesweit tätigen Verein „Leben ohne Dich“ e. V., der verwaiste Eltern und Geschwister in vielfältiger Weise bei der Trauerarbeit unterstützt.

Die Liebe lässt sich an jedem Wort ablesen. Der immense Verlust, mit dem diese Mütter und Väter leben müssen, ist spürbar und ebenso die lebendige Erinnerung an das geliebte Kind, von dem – mal nach langem Leidensweg, mal ganz plötzlich, aber immer viel zu früh – Abschied genommen werden musste. Mit Geschichten, Berichten und Gedichten gedenken Menschen ihrer verstorbenen Töchter und Söhne, Brüder und Schwestern, so ehrlich, einfühlsam und bewegend, dass sie auch Unbeteiligte berühren, bewegen und schlucken lassen. Diese Texte sind auf den Internetseiten und in der Zeitschrift des Vereins „Leben ohne Dich“ zu lesen und nur ein Teil der vielfältigen Erinnerungs- und Trauerarbeit, die „Leben ohne Dich“ für verwaiste Eltern und Geschwister bietet. Angefangen hat dieser inzwischen bundesweit tätige Verein in Mülheim mit einer Selbsthilfegruppe, die sich an jedem vierten Donnerstag im Monat um 20 Uhr im Selbsthilferaum des Diakonie am Eck, der Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes, trifft.

„Trauerarbeit“, sagt Dr. Bodo Fritsche als Mitglied des Vorstands, „ist wirklich harte Arbeit.“ Denn dabei geht es darum, etwas zu verarbeiten, das nicht zu fassen ist, das man nicht abhaken kann oder vergessen. „Leben ohne Dich“ will aber helfen, eben das zu tun, was der Vereinsname sagt: damit leben zu lernen. „Wir versuchen Mut zu machen, sich vor anderen zu öffnen und sich auszutauschen, über die individuelle Trauer zu sprechen und damit einen Weg durch die Trauer zu finden“, berichtet Dr. Bodo Fritsche. Denn in der Selbsthilfegruppe kämen Menschen zusammen, „die das Gleiche erlebt haben und dadurch einen hundertprozentig verstehen“. Auf Verständnis treffen die Hilfesuchenden dort und finden die Möglichkeit, Leid zu teilen und – nicht zuletzt – die Erinnerung an das verstorbene Kind wach zu halten.

Die Erinnerung an das verstorbene Kind wach halten

Am Anfang jedes Gruppenabends steht daher eine „Vorstellungs- und Befindlichkeitsrunde“. Die Anwesenden berichten von sich, von ihrem Kind, wie es ihnen geht, was sie in letzter Zeit bewegt hat. Doch, betont Dr. Bodo Fritsche, gelte in der Gruppe stets die Regel: „Nichts muss, alles darf. Wer kommt und den ganzen Abend nichts sagen möchte, ist genauso willkommen, wie diejenigen, die auf andere eingehen.“ Bereits den Weg in die Selbsthilfegruppe zu finden, sei „ein ganz wichtiger Schritt. Denn das signalisiert, dass man mit der Trauer und dem Schmerz nicht mehr alleine fertig wird, und man sich auf die Trauerarbeit einlassen möchte.“ Dazu gehöre Mut, aber nur dadurch seien Veränderungen möglich.
 
Vor allem Männer, weiß Bodo Fritsche, versuchten oftmals, mit dem Verlust alleine fertig zu werden und „merken verzögert, dass das nicht immer gelingt“. Einige Teilnehmer besuchen die Gruppe bereits seit vielen Jahren, aber es kommen immer wieder neue hinzu. Jede/-r ist so lange oder kurz willkommen, wie er oder sie möchte und die Treffen ihm oder ihr guttun. Doch letztlich ist laut der Verantwortlichen das Ziel, die Eltern so zu festigen, dass sie sagen: „Ich brauche euch nicht mehr.“

Trauerseminare und Freizeiten

Die Mülheimer Selbsthilfegruppe ist die Basis von „Leben ohne Dich“. Sie wurde im Jahr 2000 als lokale Initiative von selber Betroffenen gegründet. Doch zeigte sich schnell, dass der Bedarf auch weit außerhalb der Stadtgrenzen groß ist: 2004 wurde ein bundesweiter Verein gegründet, dem sich weitere Selbsthilfegruppen angeschlossen haben. Derzeit sind es zwölf zwischen Berlin und Bruck in Österreich. Ergänzt werden die Selbsthilfegruppen durch Trauerseminare und Freizeiten für verwaiste Eltern und Geschwister. Diese sind laut Dr. Bodo Fritsche „eine ganz andere Herangehensweise. Dabei wird über ein Wochenende intensive Trauerarbeit geleistet. Durch Gesprächsrunden, Rituale, Kreativarbeit wird versucht, die Trauer zu bearbeiten, wieder ein Stück mehr zu sich selber zu finden, wieder positive Momente im Leben zu erkennen und zuzulassen.“

Doch nicht nur die trauernden Eltern selbst, auch deren Umfeld nimmt das Team von „Leben ohne Dich“ in den Blick und bietet Informationen für Verwandte und Freude. Denn, so Bodo Fritsche: „Unsere Erfahrung ist, dass Freunde und Bekannte den Trauernden nur eine bestimme Karenzzeit zubilligen, zum Beispiel ein Jahr. Danach ,muss es doch gut sein‘ – eine Ohrfeige für Betroffene. In unserer Selbsthilfegruppe sind Menschen teilweise für viele Jahre, weil im persönlichen Umfeld niemand mehr etwas von dem Schicksal des Kindes hören möchte. Dies führt auch oft dazu, dass sich Betroffene häufig von Freunden und Bekannten verlassen fühlen und sich von ihnen trennen.“ Auch deshalb gibt „Leben ohne Dich“ Erinnerungen, Geschichten, Gedanken so viel Raum, werden Fotos und Schilderungen online und in gedruckter Form veröffentlicht. Denn das eigene Kind vergisst man nie.


Betroffene, die vor dem Besuch der Mülheimer Selbsthilfegruppe von „Leben ohne Dich“ Kontakt mit der Gruppenleitung aufnehmen möchten, können sich an Martina Haucke-Fritsche wenden: Tel. 42 88 09. Nähere Informationen sowie ein Kontaktformular gibt es auf den Internetseiten www.shg-muelheim.elterntrauer.de sowie www.leben-ohne-dich.de.