Kirsten Künnecke-Hufft und Petra Naumann

Treff

Selbsthilfegruppen & Treffs bei der Diakonie

Kontakt & Informationen:

Telefonzentrale Diakonisches Werk
Hagdorn 1a
45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: (0208) 3003-277



Mülheimer Tauschring – ein Geben und Nehmen für Talente

Der Mülheimer Tauschring trifft sich an jedem ersten Montag eines Monats von 18 bis 20 Uhr in der Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes, Diakonie Am Eck. Getauscht werden Begabungen aller Art. Jeder Interessierte ist bei den Treffen willkommen.

Die Mitglieder des Mülheimer Tauschrings sind Talentsucher – und sie werden immer fündig. Denn das Team der ehrenamtlichen Selbsthilfe-Initiative ist überzeugt: „Jeder Mensch hat Talente.“ Dinge, die er oder sie gut kann und gerne tut, meinen die Ehrenamtlichen damit und finden, dass man Begabungen teilen soll – oder vielmehr: tauschen. Fenster putzen gegen Kuchen backen, Bilder aufhängen gegen Hunde hüten, Gartenarbeit gegen Schreibarbeiten – Stunde gegen Stunde werden Talente getauscht und das seit inzwischen zwei Jahrzehnten. Der Mülheimer Tauschring feiert 2017 sein 20-jähriges Bestehen.

Die aktuelle Tauschring-Zeitung vermeldet vielfältige Talente. Das Heft im A5-Format erscheint zweimal im Jahr und listet eng bedruckt sogenannte „Dauerangebote“ der Mitglieder auf: Dieter übernimmt einfache handwerkliche Arbeiten, Rüdiger repariert Computer, Karen näht, Renate bringt anderen Skat bei, Rita backt und kocht, Wolfgang gibt Mathe-Nachhilfe, Petra verleiht eine Bierzeltgarnitur und und und. Ist man Mitglied im Tauschring, genügt ein Anruf, um auf die Talente anderer zurückgreifen zu können.

Erweiterte Nachbarschaftshilfe

Als „erweiterte Nachbarschaftshilfe“ beschreibt Tauschring-Mitglied Rita Börger das Grundprinzip. Und weil zu einer guten Nachbarschaft ein gutes Miteinander gehört, kommen die Aktiven der Initiative regelmäßig zusammen: Am ersten Montag eines Monats treffen sie sich ab 18 Uhr in der Diakonie am Eck, der Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes an der Kettwiger Straße 3, um zu plaudern und zu tauschen. Auch Trödelsachen können an diesen Abenden mitgebracht werden. „Miteinander tauschen heißt, miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Petra Naumann, die bereits seit vielen Jahren in der Initiative aktiv ist. So entstehen bei diesen Treffen immer wieder spontane Ideen. „Letztens hat ein Mitglied einem anderen einen Fahrdienst angeboten“, nennt Petra Naumann ein Beispiel, wie aus dem persönlichen Austausch Täusche entstehen können. Sie betont aber auch: „Es ist wichtig, dass sich die Menschen vorher begegnen und genau absprechen, wie der Tausch gestaltet werden soll.“ Denn neben dem direkten Tausch, Stunde gegen Stunde, können auch Stunden auf ein Talentkonto eingezahlt werden, so dass Plusstunden angesammelt und später eingesetzt können. Grundsätzlich gilt aber auch: Es wird nur Können eingesetzt, kein Geld. „Wenn jemand einen Kuchen backen lässt, muss er die Zutaten stellen oder bezahlen“, erläutert Kirsten Künnecke-Hufft. Bei Fahrdiensten zahlt der Passagier ein Kilometergeld. Solche Regeln werden bei der jährlichen Jahreshauptversammlung per Mehrheitsbeschluss festgelegt.

Der erste Mülheimer Tausch, so hat es Petra Naumann in alten Unterlagen gefunden, fand am 14. Oktober 1997 statt – zu einer Zeit, in der in vielen Städten Tauschringe entstanden. Nora M. regte damals in Mülheim die Gründung an und legte mit einem „Pullovertausch“ den Grundstein für die folgenden zwei Jahrzehnte. Erster Treffpunkt war das MALZ, das Mülheimer Arbeitslosenzentrum, berichtet Petra Naumann und, dass diese Verbindung Sinn machte: „Die Klienten fühlten sich wertlos, weil Leistung über Arbeit definiert wird. Aber niemand ist wertlos, jeder kann etwas.“

„Jeder kann etwas.“

Im Tauschring kann er oder sie das einbringen. Das ist gut fürs Selbstbewusstsein, fürs Selbstwertgefühl, hat Petra Naumann erfahren: „Als ich zum Tauschring kam, war ich alleinerziehend und brauchte viel Hilfe – aber ich habe auch vielen geholfen. Ich habe gestrichen und tapeziert und im Garten gearbeitet.“ Bis heute empfindet sie dieses Geben und Nehmen als praktisch: So haben Rita Börger und Kristen Künnecke-Hufft ihr etwa am Tag der Konfirmation ihres Kindes geholfen. Die beiden Damen haben die Gäste bewirtet und sie konnte entspannt feiern.

Das Miteinander loben die drei zudem, die Gemeinschaft, die unbürokratische Hilfe, die man bekommt, wenn man darum bittet. „Man lernt Menschen kennen, mit denen man sonst keine Zeit verbracht hätte“, sagt Petra Naumann. Und: „Ich empfinde das als Bereicherung.“ Wer beim Tauschring gibt, kann eben viel mitnehmen.

Jeder, der Lust hat, kann zu den Treffen des Mülheimer Tauschrings im Bürgertreff Diakonie am Eck kommen. Zudem steht Petra Naumann Interessierten als Ansprechpartnerin zur Verfügung: Tel. 740 50 36.