Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen & Treffs bei der Diakonie

Kontakt & Informationen:

Telefonzentrale Diakonisches Werk
Hagdorn 1a
45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: (0208) 3003-277



Die Spielergruppe

Eine Selbsthilfegruppe für Glücksspieler, die auch Angehörigen Unterstützung bietet.


Die Spielergruppe trifft sich an jedem Mittwoch um 19 Uhr im Gruppenraum der Begegnungsstätte des Diakonischen Werkes, dem Diakonie Am Eck, an der Kettwiger Straße 3. Am ersten Mittwoch eines Monats sind Angehörige eingeladen, dazu zu kommen. Zudem trifft sich immer am dritten Mittwoch eines Monats um 19 Uhr die Angehörigengruppe, die allen Angehörigen von Suchtkranken offen steht, in der Kajüte des Diakonie am Eck.


Beim ersten Besuch haben die meisten Druck. Manchmal macht den die Frau, die Familie, die Umgebung oder ein angedrohtes Ultimatum à la: „Wenn du noch einmal spielst, verlasse ich dich.“ Manchmal drücken aber auch die Schulden und den Betroffenen „steht das Wasser zum Hals“, wie Karsten sagt. Er gründete im Juli 2008 Mülheims erste – und noch immer einzige – Selbsthilfegruppe für Glücksspieler. Jeden Mittwoch finden die Hilfesuchenden in der Begegnungsstätte Diakonie am Eck in der Altstadt ein Ventil, wenn der Leidensdruck zu groß wird. Doch vor allem finden sie dort dauerhafte Unterstützung bei der Gestaltung eines zufriedenen, abstinenten Lebens.

Beides gehört zusammen, davon ist Karsten überzeugt: „Ohne Zufriedenheit ist auf Dauer kein abstinentes Leben möglich.“ Denn die Sucht basiert bei Männern meist auf Unzufriedenheit – mit sich, mit dem eigenen Leben. Das Glücksspiel ist da Ablenkung und die scheinbare Möglichkeit, Kontrolle zu übernehmen; glauben Spielsüchtige doch nicht an Glück, sondern an eigene Fähigkeiten. Sie sind überzeugt, schreibt die Landeskoordinierungsstelle Glücksspiel NRW, „dass sie dem System überlegen sind, es durchschauen und beeinflussen können“. Gewinner wollen sie sein und können doch erst nach Hause gehen, wenn alles Geld verloren ist. „Es gibt einen Reflex“, berichtet Karsten. „Ab einer bestimmten Summe hat man das Gefühl: Ich habe Geld in der Tasche; ich könnte spielen.“

Mülheims erste (und bisher einzige) Selbsthilfegruppe für Spieler

Karsten weiß, wovon er spricht. Lange hat er selbst gespielt, lebt nun aber seit vielen Jahren abstinent. Die Spielergruppe trägt dazu bei. Gegründet hat Karsten sie einst, um eine Lücke zu füllen. „In der Therapie wurde uns geraten, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Aber in Mülheim gab es keine.“

Als Türöffner versteht Karsten seinen Treff: Jeder Betroffene ist willkommen – und kann auch nach einer Pause jederzeit wiederkommen. Im Gruppenraum des Diakonie am Eck sitzen sie dann mittwochs bei antialkoholischen Getränken zusammen und unterhalten sich. Alles, was die Anwesenden bewegt, kann besprochen werden, sagt Karsten: „Jeder, der etwas sagen möchte, kann das tun. Wer nur zuhören möchte, hört nur zu.“ Grundsätzlich gelte aber: „Wir sind ehrlich zu einander.“

Anlaufstelle für Angehörige von Glücksspielern

Gleiches gilt für die Angehörigengruppe, die sich immer am dritten Mittwoch des Monats um 19 Uhr im Raum nebenan trifft und die von Nicole, Karstens Frau, geleitet wird. Entstanden ist diese Gruppe spontan bei einem Treffen der Spielergruppe. „Immer am ersten Mittwoch im Monat können die Angehörigen mitkommen“, erzählt Nicole und dass sie an einem dieser Abende gemerkt hat, dass eine Angehörige etwas sagen wollte, es sich aber verkniffen hat, um den Betroffenen zu schonen. Der Betroffene selbst wollte auch etwas sagen, was seine Frau nicht hören sollte. Seitdem soll ihre Gruppe Familienmitgliedern und Partnern einen geschützten Raum geben, in dem sie „einfach erzählen dürfen, ohne sich erklären zu müssen“. Denn das müssten sie im Alltag häufig; Angehörigen schlage viel Unverständnis entgegen. „Warum trennst du dich nicht?“ Oder auch: „Dann soll er oder sie es doch einfach lassen.“ Diese Sätze, berichtet Nicole, höre man oft. „Aber wenn man jemanden liebt, lässt man ihn nicht im Stich.“ Das sei auch gut so, findet sie, denn „sonst dürfte man die trockene Zeit nicht gemeinsam erleben“. „Trocken“, so nennen sie abstinente Glücksspieler, wohlwissend, dass die Sucht Betroffene jederzeit wieder nass machen kann.

Leben mit dem Suchtmittel Geld

Das Grundverständnis, betonen beide, sei die Stärke von Selbsthilfegruppen. „Wir wissen alle, wo von wir sprechen.“ Es gebe Situationen und Emotionen, die könnten alle nachvollziehen, die müssten nicht erklärt werden. Dazu gehört die Versuchung, die unausweichlicher Teil des Alltags ist. „Unser Suchtmittel ist Geld“, sagt Karsten, der weiß: „Auf Dauer kann ich nicht ohne Geld durchs Leben gehen.“ Deshalb müsse sich bei Betroffenen „der Gedanke durchsetzen, dass es eine chronische Krankheit ist, die uns ein Leben lang begleitet“. Das gelte für Menschen mit einem Glücksspielproblem ebenso wie für Glücksspielsüchtige, unabhängig davon, ob sie nun an Automaten oder im Internet spielten oder auf Sportwetten setzten. Sie alle sind in der Spieler-Selbsthilfegruppe willkommen.

Die Angehörigengruppe steht grundsätzlich allen Angehörigen von Suchterkrankten offen. Dort ist laut Nicole „Vertrauen“ ein wiederkehrendes Thema und ein wichtiges, denn die Familienmitglieder und Partner müssten erkennen: „Sie dürfen ihren betroffenen Angehörigen vertrauen – in allen Punkten des gemeinsamen Lebens bis auf einen einzigen.“ Häufig besprochen werde zudem die „Geldmittelbegrenzung“, bei der die Angehörige das Geld für den Spielsüchtigen verwaltet. Das sei eine besondere Dynamik in einer Partnerschaft und auch in der Spielergruppe selbst Thema. Letztlich, ist Nicole überzeugt, sei das nur ein Punkt, in dem „beide Gruppen aufeinander zu arbeiten“.

Neben Ehrlichkeit sind Karsten und Nicole zwei weitere Grundregeln wichtig: Alles, was in den  Gruppen besprochen wird, bleibt im jeweiligen Gruppenraum. Und: Über Geldsummen wird nicht gesprochen.

Spielergruppe steht allen offen

Die Spielergruppe steht Männern und Frauen gleichermaßen offen. Denn auch wenn Männer noch immer in der Mehrzahl sind, steigt die Zahl der Glücksspielerinnen. „Natürlich sind Frauen bei uns willkommen“, betont Karsten, der aber weiß, dass sich die Spielsucht bei Frauen und Männern unterscheidet. „Es gibt eine Selbsthilfegruppe nur für Frauen in Neuss. Es kann sein, dass sich Frauen dort wohler fühlen.“ Dieser Punkt ist ihm grundsätzlich wichtig: „Wenn den Leuten unsere Gruppe nicht gefällt, sollen sie nicht gleich sagen, ,Selbsthilfe ist nichts für mich‘, sondern sich eine andere Gruppe suchen. Jede Gruppe hat eine eigene Dynamik. Wir sind nicht in einer Konkurrenzsituation. Ich würde mich freuen, wenn es in Mülheim noch mehr Gruppen gäbe; für jeden Tag in der Woche eine.“ Der Bedarf, davon ist Karsten überzeugt, ist da.

Abseits der Gruppentreffen sind Karsten und Nicole unter Tel. 0208 – 412 77 23 sowie per E-Mail an spielergruppe-muelheim-ruhr@gmx.de erreichbar.