Selbsthilfegruppe

Selbsthilfegruppen & Treffs bei der Diakonie

Kontakt & Informationen:

Telefonzentrale Diakonisches Werk
Hagdorn 1a
45468 Mülheim an der Ruhr

Tel.: (0208) 3003-277



Wenn aus guter Hoffnung tiefe Trauer wird

Ein Gesprächskreis für Mütter und Väter, die vom Verlust ihres Kindes während der Schwangerschaft, kurz vor oder bei der Geburt betroffen sind


Der Gesprächskreis trifft sich an jedem zweiten Mittwoch eines Monats von 19 bis 21 Uhr im Diakonie Am Eck, Kettwiger Straße, in der Mülheimer Altstadt. Die Gruppe steht allen betroffenen Eltern offen – unabhängig von der Konfession und dem Zeitpunkt, wann das Kind während der Schwangerschaft verstorben ist oder wie lange der Verlust zurückliegt.
 

Es gibt Situationen im Leben, die machen sprachlos. Da sind Ereignisse, die zu gewaltig, zu unbegreiflich, zu niederschmetternd sind, um sie in Worte zu fassen. Der Verlust eines Babys – ob während der Schwangerschaft, kurz vor oder während der Geburt – ist so eines. Wenn Zukunftspläne plötzlich zerplatzen, Hoffnungen enttäuscht werden und in der Familie eine Lücke klafft, kann das verstummen lassen. Doch Karin Jaesch-Kötter ist überzeugt, „dass es gut tut, sich mit anderen auszutauschen, die in einer ähnlichen Situation sind“. Daher initiierte die Mitarbeiterin des Diakonischen Werkes im Jahr 2005 gemeinsam mit einer Seelsorgerin des Evangelischen Kirchenkreises An der Ruhr den Gesprächskreis „Wenn aus guter Hoffnung tiefe Trauer wird“. Die Diplom-Sozialpädagogin der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte bietet gemeinsam mit Pfarrerin Klaudia Schmalenbach Müttern und Vätern, die eine Fehlgeburt oder Todgeburt erlebt haben, einmal im Monat einen geschützten Raum, um all das zu sagen, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Eben das kommt im Alltag oft zu kurz, hat Carsten Völker erfahren: „Ich sage oft nicht das, was ich gerne möchte, um mein Gegenüber zu schonen.“ Weil er weiß, dass der Gesprächspartner seine Situation, seinen Verlust nicht wirklich nachvollziehen kann und die Trauer vielleicht zu persönlich ist, um sie mit Menschen zu teilen, die es gut meinen, aber dennoch verständnislos und überfordert davor stehen. Für Carsten Völker und seine Frau Claudia ist dies das Besondere am Gesprächskreis: Bei ihrem ersten Besuch dort trafen sie auf Verständnis und ein „Miteinander“, das sich vom „Wir-Erzählen“, das sie in den vergangenen Wochen erlebten, unterschied: „Zu wissen, dass man nicht allein ist, ist wichtig.“

Gemeinschaft bietet Trost

Gemeinschaft suchte das Paar als es entschied, den Gesprächskreis zu besuchen: „Wir wollten andere Menschen kennenlernen, die bereits mit dieser Situation umzugehen gelernt haben.“ Die Frage, wie andere Menschen den Alltag gestalten und das Leben, das ja bekanntlich immer weiter geht, brachte sie in die Gruppe. Dort, sagt Claudia Völker, fühlte sie sich „sofort aufgenommen“ und wohl dabei, ihre Geschichte zu erzählen. „Dass andere mitgeweint haben“, ist ihr besonders im Gedächtnis geblieben. Das macht den kleinen, aber wichtigen Unterschied aus: Mitgefühl statt Mitleid spürte sie im Gesprächskreis. Zudem trafen die Eltern auf Unterstützung auch abseits der Treffen und auf andere Betroffene, die mit dem Verlust bereits länger leben und die glaubhaft versichern konnten: „Es bleibt schlimm, aber es wird anders.“

Diese Gemeinschaft ist Karin Jaesch-Kötter, die die Abende moderiert, wichtig. Jeder soll mit seinen Bedürfnissen Raum finden – und das kann auch heißen, erst einmal nichts zu erzählen: „Niemand soll sich gedrängt fühlen.“ Der Verlust eines Kindes ist eine Ausnahmesituation und Auslöser tiefer Emotionen, die man so vielleicht noch nie durchlebt hat: tiefer Schmerz, Verzweiflung, Wut, auch Neid. Diese Gefühle kann man in der Gruppe teilen, sagt Karin Jaesch-Kötter: „Wir geben den Teilnehmern hier einen Raum, alles ungeschützt äußern zu können. Dabei gibt es kein Richtig und kein Falsch.“ Alle Gefühle sind erlaubt – negative, aber auch positive. „Man darf auch lachen, genießen und sich Angenehmes gestatten. Erlaubt ist in der Trauer, was man braucht.“ Die Diplom-Sozialpädagogin weiß: Der Umgang mit der Trauer kann innerhalb eines Elternpaares sehr unterschiedlich sein. Dies zu meistern, ist eine Herausforderung, bei der der Gesprächskreis helfen kann. Dabei gilt grundsätzlich: Alles, was in der Gruppe erzählt wird, bleibt in der Gruppe.

Fragen nach dem Verlust eines Babys

Die Fachfrau der Mülheimer Diakonie hat erlebt, dass es Themen gibt, die immer wiederkehren und bei denen sich die Gruppenmitglieder gut unterstützen können. Die Beerdigung des Kindes ist so eines, außerdem Fragen wie: Wie begeht man Jahrestage, zum Beispiel den Todestag, Erinnerungstage, Weihnachten? Ist es erlaubt, den Gynäkologen zu wechseln? Kann man eine Kur beantragen und wie werden dazu die Formulare richtig ausgefüllt? Und auch: Wo ist Gott? Eine Frage, die Pfarrerin Klaudia Schmalenbach schon mehrfach gehört hat.

Der Gesprächskreis steht allen Betroffenen offen – unabhängig von ihrer Konfession und zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft sie ihr Kind verloren haben oder wie lange der Verlust des Kindes zurückliegt. Trauer hat kein Verfallsdatum. „Einige Teilnehmer kommen seit Jahren und es kommen immer wieder neue hinzu. Es gibt Eltern, die nach einer Pause, auch nach Jahren, wiederkommen, weil sie merken, dass ihnen die Gruppe gut tut. Es ist fließend“, sagt Karin Jaesch-Kötter und sieht gerade darin eine Stärke des Gesprächskreises: Menschen, deren Trauer noch jung ist, kommen mit Menschen zusammen, die mit dem Verlust bereits länger leben – so wie es die Völkers erlebten. Inzwischen besuchen sie die Gruppe seit fast einem Jahr und empfinden sie noch immer als Bereicherung. „Mir ist dieser Termin wichtig“, sagt Claudia Völker. „Obwohl ich die anderen nur zwei Stunden im Monat sehe, gibt es zwischen uns eine besondere Vertrautheit.“ Carsten Völker, der sich wünschen würde, dass mehr Männer die Gruppe besuchen, nutzt die Treffen, um zur Ruhe zu kommen und sich an seine verstorbene Tochter zu erinnern: „Im Alltag kommt das oft zu kurz – besonders wenn schon etwas Zeit vergangen ist.“ Auch weil der Tod eines Kindes noch immer „ein Tabu-Thema“ ist. Da wünscht sich Claudia Völker ein Umdenken, hat sie doch ebenso abseits des Gesprächskreises erfahren, dass (ver)schweigen nicht hilft: „Wenn man offen damit umgeht, bekommt man Offenheit zurück.“

Betroffene Mütter und Väter, die sich vor dem ersten Besuch des Gesprächskreises, mit Diplom-Sozialpädagogin Karin Jaesch-Kötter austauschen möchten, können sich gerne an sie wenden. Sie ist erreichbar im Diakonischen Werk auf dem Kirchenhügel, Hagdorn 1a, unter: Tel. 0208/3003 267 oder per E-Mail an: jaesch-koetter[at]diakonie-muelheim.de.