Die Bibel

Geschäftsstelle Mülheim

Diakonisches Werk
im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr
Hagdorn 1a
45468 Mülheim       [auf Karte anzeigen]

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Öffnungszeiten:
montags, dienstags, freitags: 7.30 - 16.30 Uhr
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donnerstags: 7.30 - 18 Uhr

Ansprechpartner:

Hartwig Kistner, Geschäftsführung
E-Mail: kistner[at]diakonie-muelheim.de

Bernd Barfuß, Verwaltung
E-Mail: barfuss[at]diakonie-muelheim.de

Ellen Hirsch, Sekretariat
E-Mail: hirsch[at]diakonie-muelheim.de



Die Bibel

Die Diakonie ist biblisch im Neuen Testament begründet. Sie ist gelebte Nächstenliebe in der Nachfolge von Jesus Christus. Sie verkündigt tatkräftig, die Liebe Gottes zu uns Menschen im kirchlichen Tun in der Gemeinde, der Evangelischen Kirche und ihren Einrichtungen durch praktisches Handeln zu leben. Die Kirche der Verkündigung wird in der Diakonie durch die Kirche der Tat ergänzt. Sie orientiert sich an der Lebenssituation des Mitmenschen durch persönliche Zuwendung und praktisches Handeln. Mit dem Engagement in der Diakonie leistet die Kirche einen wichtigen Beitrag zur glaubwürdigen Existenz Gottes mitten in der Welt.

Im Neuen Testament der Bibel ist die Diakonie das erste und älteste kirchliche Amt überhaupt. In den ersten christlichen Gemeinden spielte sie eine entscheidende Rolle, und sie ist direkt auf die Botschaft zur Nächstenliebe von Jesus Christus zurückzuführen.
Als Jesus einmal gefragt wurde „Meister, welches ist das vornehmste Gebot im Gesetz?“, sprach Jesus: „Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.“ Dies ist das vornehmste und größte Gebot. Das andere aber ist ihm gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ In diesen zwei Geboten ist die Botschaft der Bibel ausgedrückt (Matthäus 22,36-40). Jesus antwortet also mit dem Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe. Das ist für uns die zentrale Aussage in der gesamten Bibel – Altes und Neues Testament. Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Dafür tritt die Diakonie durch ihr praktisches Handeln ein. Die Diakonie ist das Amt der Barmherzigkeit, der Gottes- und Nächstenliebe auf der Grundlage der Bibel.
Der Ursprung des Wortes „Diakonie“ bzw. „Diakon“ ist nicht unbedingt genau geklärt. Es kommt aus dem griechischen (Diakonos) und bedeutet: dienen. In der antiken Welt wurde das Wort im profanen Sprachgebrauch benutzt und kam erst durch das neue Testament und die Botschaft von Jesus Christus und die Praxis der christlichen Urgemeinden zu seiner heutigen Bedeutung. Denn wo im Neuen Testament von „dienen“ die Rede ist, steht in der Regel das Wort „Diakonos“ oder „Diakonein“.

Diakonie bedeutet für unser Selbstverständnis im Diakonischen Werk unser Dienen am Mitmenschen unter das Zeichen von Jesus Christus zu stellen.

Diakonie wird mit der Kunst der Wahrnehmung und der Achtung vor unseren Mitmenschen praktiziert. Diakonie ist damit soziale Ästhetik. Der Einzelne wird in seiner Not wahrgenommen. Diakonie bedeutet nah bei diesem Menschen zu sein, unabhängig von Status oder sozialem Stand. Die Diakonie geht praktisch und naheliegend vor, wie im biblischen Gleichnis „Der barmherzige Samariter“ (Lukas 10, 25-37) deutlich wird.
Auch im Gleichnis vom Großen Weltgericht (Matthäus 25, 31 ff.) weist Jesus Christus auf diesen zentralen Ansatz hin: „Was ihr getan habt einem unter den geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25, 40).

Weitere biblische Quellen geben uns konkrete Hinweise, so zum Beispiel die Apostelgeschichte Kapitel 6 mit der Wahl der sieben Armenpfleger.

Die Fußwaschung in Johannes, Vers 4-20, hat eine große symbolische Bedeutung für das diakonische Handeln. In die gleiche Richtung weist im Markusevangelium Kapitel 9 Vers 35: „So jemand will der Erste sein, der soll der letzte sein von Allen und aller Diener.“ Jesus Christus ist kein Herrenmensch, im Gegenteil: „Denn auch des Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur einer Erlösung von vielen“ (Markus 10, 45).

Im ganzen Neuen Testament können wir nachlesen, wie das Wirken von Jesus Christus diakonische Leitlinien aufweist. Sie zeigen sich darin, dass er mit Menschen Gemeinschaft übt, den Zöllnern, den Sündern, den Ausgestoßenen. Jesus Christus hat einen Hang und bekennt sich zu denen, die am Rande der Gesellschaft leben. Das zieht sich als zentrale Botschaft durch das gesamte Neue Testament. Jesus Christus zeigt seine Nähe zu den Kranken, die Krankenheilungen und Wunder sind Zeichen seines messianischen Wirkens: „Er predigte, er lehrte, und er heilte“ (Matthäus 5, 23 ff.).

Nicht nur das Neue Testament kennt diakonisches Handeln. So heißt es im Alten Testament in Psalm 82, Vers 3: „Schaffet Recht dem Armen und dem Waisen und helft dem Elendigen und Bedürftigen zum Recht.“ Sowohl die praktische Hilfe im Einzelfall als auch der Auftrag politische Dimensionen wahrzunehmen, kommen hier zum Ausdruck.

Im zweiten Buch Mose, Kapitel 22, heißt es in den Versen 20 und 21: „Die Fremdlinge sollst du nicht bedrängen und bedrücken; denn ihr seid auch Fremdlinge (…) gewesen. Ihr sollt Witwen und Waisen nicht bedrücken.“

Gott steht auch im Alten Testament in der Nähe zum benachteiligten Menschen: „Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.“ (Jesaja 57, 15).

Wesentlich für unser diakonisches Handeln ist die biblische und theologische Grundlage. Im Zentrum seiner gesamten Botschaft sagt Jesus Christus: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ Die darin enthaltene Verheißung lautet, dass wir in dem Mitmenschen, der unsere Hilfe braucht und dem wir sie nach besten Kräften geben, uns letztlich selbst begegnen. Hinter allen möglichen Unterschieden im Auftreten oder Erscheinungsbild von Menschen steht das absolute Wesen Gottes. Jesus Christus ist bei den armen, bedürftigen, traurigen, hoffnungslosen, kranken, gefangenen Menschen, bei den verwahrlost scheinenden; das göttliche und menschliche Wesen steht aber darüber. Wenn wir Diakonie als Kunst der Wahrnehmung ausüben und im darauf folgenden praktischen Handeln im Auftrag von Jesus Christus unterwegs sind, scheint über jedes Auftreten und Erscheinungsbild eines Notleidenden das ewige Antlitz des Menschen auf. Davon lassen wir unser Herz rühren, ebenso wie die Hirten beim Anblick des neugeborenen Kindes in der Krippe. Mit diesem Blick auf den Menschen, mit der Wahrnehmung des hilfe- und sorgebedürftigen Anteils bei jedem Menschen, können unsere besten, eigenen Wesenszüge erweckt werden und hervortreten. Das diakonische Handeln am Mitmenschen ist auch eine große Befreiung, die gleiche Freiheit, die Martin Luther in seiner Schrift „Von der Freiheit des Christenmenschen“ beschreibt.

 

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