Diakonie

Diakonisches Werk
im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr

Hagdorn 1a
45468 Mülheim         [auf Karte anzeigen]

Tel.: (0208) 3003-255
Fax: (0208) 3003-280
E-Mail: gst[at]diakonie-muelheim.de

Öffnungszeiten:
montags, dienstags, freitags: 7.30 - 16.30 Uhr
mittwochs: 7.30 - 13 Uhr
donnerstags: 7.30 - 18 Uhr

Ansprechpartnerinnen:
Birgit Hirsch-Palepu, Geschäftsführerin
E-Mail: hirsch-palepu[at]diakonie-muelheim.de

Ellen Hirsch, Verwaltungsleiterin
E-Mail: hirsch[at]diakonie-muelheim.de

Julia Blättgen, Verwaltung
E-Mail: blaettgen[at]diakonie-muelheim.de



Zur Erinnerung an Ludwig Kettschau

Ludwig Kettschau, Pfarrer i. R., der als Kreisdiakonie-Pfarrer langjährig Mitglied in der Geschäftsleitung des Diakonischen Werkes im Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr war, ist am Freitag, 4. Februar 2022, im Alter von 82 Jahren verstorben.

Am 29. März 1939 kam Ludwig Kettschau als viertes von sechs Kindern in Warburg / Westfalen zur Welt. Nach dem Studium der Germanistik und Theologie von 1960 bis 1966 wurde er 1969 in Duisburg-Buchholz ordiniert. Die Gemeinde wählte ihn zu einem ihrer Pfarrer. Von 1972 bis 1976 übernahm er die Aufgabe des Jugendpfarrers im Kirchenkreis Duisburg-Süd. Von 1978 bis zum Ruhestand 2003 war er 25 Jahre Pfarrer in der Mülheimer Altstadtgemeinde.

Seine Arbeit war geprägt von der Liebe zu Kunst und Musik. Er gründete gemeinsam mit Uwe Reuter 1995 den Förderkreis für Kirchenmusik und blieb dessen Vorsitzender bis 2018. Ab 1990 widmete er sich der Aufgabe, den Innenraum der Petrikirche würdig zu gestalten. Dabei kam ihm der gute Kontakt zu Mülheimer Künstlern, insbesondere Ernst Rasche, zugute. Die wunderbaren Fenster im Chorraum sind seiner Initiative und seinem Einsatz zu verdanken.

Sein Herz schlug aber auch für die Menschen, die sich in schwieriger Lebenslage befanden. So hielt er regelmäßig Kontakt zu den Nichtsesshaften – wie sie damals genannt wurden –, die ihn als Gemeindepfarrer aufsuchten. Sie konnten sich in der Sprechstunde aufwärmen, erhielten Essen und Trinken, kleine finanzielle Notbeihilfen und vor allem: persönliche Zuwendung. Als der Personenkreis wuchs und er mehr und mehr von den Problemlagen dieser Menschen erfuhr, öffnete er schließlich die Gemeinderäume im Altenhof an der Kaiserstraße für diese Menschen als Treffpunkt. Dadurch kam es auch zu Begegnungen mit Gemeindemitgliedern aus völlig anderen sozialen Verhältnissen. Diese Kontakte zu begleiten und zu moderieren, war nicht immer einfach. Pfarrer Kettschau hielt das Angebot gleichwohl aufrecht. Von den wohnungslosen Menschen erhielt er schließlich den liebevollen Beinamen „Der Bischof“.

Nahezu folgerichtig wurde er 1988 von der Synode des Evangelischen Kirchenkreises zum Diakoniebeauftragten gewählt und führte dieses Amt mit großem Engagement aus. Als Kreisdiakoniepfarrer wirkte er von 1988 bis 1999 in der fünfköpfigen Geschäftsleitung des Diakonischen Werkes mit – eine Periode mit guter Kontinuität im Leitungsorgan.

Den wohnungslosen Menschen und dem Treffpunkt an der Kaiserstraße widmete er sich weiter. Und was sich angebahnt hatte, realisierte sich dann sehr schnell noch im gleichen Jahr: Aus den Gemeinderäumen an der Kaiserstraße wurde die neue Teestube für wohnungslose Menschen. Vorher hatte es diese an der Heißener Straße gegeben – allerdings in unzureichenden Räumen. Denn nach einem aus der Not geborenen, improvisierten Beginn zeigte sich schnell die wahre Größenordnung der notleidenden Zielgruppe. Das Angebot wurde gut angenommen; der Zulauf war groß.
 

Ludwig Kettschau begleitete als Kreisdiakoniepfarrer in der Geschäftsleitung und im Kuratorium die folgenden besonderen Entwicklungen im Diakonischen Werk:

  • 1988 Gründung der Teestube für Wohnungslose an der Kaiserstraße (2002 zieht die Teestube – weil abermals zu klein geworden – um an die Auerstraße)

  • 1991 Gründung Evangelischer Betreuungsverein e.V.

  • 1991 Betreutes Übergangswohnen für Wohnungslose an der Kaiser Wilhelmstraße / Styrum

  • 1994 Sanierung Recyclinghof an der Georgstraße; Umbenennung in Diakoniewerk Arbeit und Kultur als Abteilung des Diakonischen Werkes; ab 2004 Weiterführung als Diakoniewerk Arbeit und Kultur gGmbH mit dem Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr als Alleingesellschafter

  • 1994 Einrichtung Betreutes Wohnen -Kanalstraße- für Wohnungslose

  • 1996 Sanierung der Gebäude der TWG (Sozialtherapeutische Wohngemeinschaft an der Georgstraße)

  • 1999 Einrichtung einer Planstelle Streetwork als Angebot für Obdachlose im Bereich der Abteilung. Ambulanten Gefährdetenhilfe; vernetztes fachliches Zusammenwirken mit Teestube, Zentraler Beratungsstelle (ZBS).

 

Von dem Jahr 2000 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2003 widmete sich Ludwig Kettschau wieder der Weiterführung von Projekten für die Kirchenmusik und der weiteren Ausgestaltung der Petrikirche und vieles andere mehr.

Nach seiner Pensionierung führte er das Begonnene ehrenamtlich fort. Er blieb seinen Lebenswerken verbunden und darin aktiv. Und er hat auch in seinem Ruhestand an diversen Stellen im Hintergrund – in aller Stille – Gutes bewirkt; für das Diakonische Werk und die ihm anvertrauten Menschen. Ein Kämpfer für die diakonischen Werte ist gegangen. Wir danken ihm für sein Wirken und die gemeinsame Zeit.

In den Jahren seines Ruhestandes hat Ludwig Kettschau es sehr genossen, viel Zeit mit den Kindern und Enkelkindern in München, Berlin und Dresden verbringen zu können. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freunden und den Menschen, die sich ihm nahe fühlen.


Im Namen der Geschäftsführenden und Geschäftsleitung seit 1988